Stuttgart entdecken, Erinnerungen bewahren
In diesem Projekt geht es darum, neue Orte in Stuttgart zu entdecken und deren Geschichte und Geschichten in Erinnerung zu bewahren. Am ersten Projekttag ging es mit Herrn Bier, Frau Meyer-Siemers und Frau Kratzer in das Haus der Heimat in der Schloßstraße.
Dort besuchten wir die Ausstellung „Keine Nacht so dunkel“ über die jüdische Familie Wels aus Böhmen, die nach dem Willen der Nationalsozialisten ausgelöscht und vergessen werden sollte. Doch ein Sohn der Familie konnte sich ins Ausland retten und bewahrte auf dem Dachboden eine große Kiste mit Familienerinnerungen auf. Erst nach seinem Tod wurde die Kiste von seinen Nachfahren geöffnet, und sie stießen auf eine Menge Fotos, Aufzeichnungen, Briefe und Erinnerungen. Die Familie beschloss, die Erinnerungen mit anderen zu teilen, und so entstand diese Ausstellung.
Herr Eichenberger vom Haus der Heimat führte uns in die Ausstellung ein, stellte dabei aber direkt auch den Bezug zu uns selbst und unseren eigenen Familien her: An welche Erlebnisse und Geschichten unserer Familie erinnern wir uns? Was wissen wir über unsere Vorfahren? Herr Eichenbergers Appell an die Jugendlichen war: Befragt eure Eltern und Großeltern zu ihrem Leben und ihren Erinnerungen. Nehmt diese auch auf! Mit dem Handy lassen sich ja heutzutage problemlos Audio- und Videoaufnahmen erstellen und für die Zukunft bewahren.
Im zweiten Teil des Vormittags folgte ein Workshop mit Sarah Chand, die uns noch mehr in das Thema eintauchen ließ und dieses mit kreativen Schreibimpulsen weiter vertiefte. Wie möchten wir in Erinnerung bleiben? Welche Gegenstände würden wir in einer Erinnerungskiste über unsere Familie packen und warum genau diese? Wie würde unsere Erinnerungskiste aussehen? Wäre das eine kleine Schatzkiste, eine riesige Holztruhe oder ein abgegriffener Lederkoffer? Im lebendigen Austausch zeigten wir unsere mitgebrachten Gegenstände, erzählten von den Gegenständen und Erinnerungen oder trugen unsere Ergebnisse der Schreibaufgaben vor, wobei sich eine große Vielfalt zeigte.
So war der Vormittag im Haus der Heimat eine motivierende Anregung, sich weiter mit den eigenen Familienerinnerungen zu befassen und diese für zukünftige Generationen zu bewahren. Vielleicht hat auch die/der ein oder andere Leser/-in Lust bekommen, nun eine Erinnerungskiste der eigenen Familie zu packen? Gegenstände und Fotos auszuwählen, Texte zu schreiben und vielleicht auch Illustrationen anzufertigen? Dann legt los, die Sommerferien sind doch eine gute Zeit, um ein solches Projekt zu starten!
Wir danken Frau Undine Aninger vom Haus der Heimat ganz herzlich für die Konzeption und Organisation und Frau Chand und Herrn Eichenberger für ihre Beiträge zu diesem für uns sehr besonderen und bereichernden Tag. Die Ausstellung im Haus der Heimat kann noch bis 16. September besucht werden – es gibt jedoch eine Sommerpause. Infos finden sich hier:
https://www.hdhbw.de/ausstellungen
Und wie geht es in unserem Projekt weiter? An den beiden weiteren Projekttagen wird Herr Bier für die Gruppe Stadtführungen im Zentrum und im Stuttgarter Osten durchführen und Geschichte(n) dieser Orte vermitteln – und damit Erinnerungen aus der Stuttgarter Stadtgeschichte im kollektiven Gedächtnis weitertragen.
Artikel: Frau Kratzer
Fotos: Frau Kratzer