Ein Jahr voller Begegnungen, Themen und Musik – Schulsozialarbeit am Hölderlin-Gymnasium 2025

Wer Schulsozialarbeit nur mit „offener Tür und guten Gesprächen“ verbindet, bekommt am Hölderlin-Gymnasium Stuttgart einen deutlich erweiterten Einblick – und liegt doch gleichzeitig gar nicht so falsch. Denn genau diese Gespräche bilden das Herzstück meiner Arbeit. Das Jahr 2025 war geprägt von vielen Begegnungen, intensiven Themen, kreativen Projekten und einer engen Zusammenarbeit mit Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften.

Ein großer Teil meiner Arbeit bestand auch im vergangenen Jahr aus Beratungsgesprächen: kurze Tür-und-Angel-Gespräche in den Pausen ebenso wie längere, geplante Termine. Schüler*innen kamen mit Sorgen rund um Freundschaften, Familie, Leistungsdruck, Identität, psychische Belastungen oder Konflikte in die Beratung. Auch Eltern und Lehrkräfte nutzten das Angebot, um gemeinsam nach Unterstützungsmöglichkeiten und Lösungswegen zu suchen. Schulsozialarbeit bedeutet hier vor allem: zuhören, ernst nehmen, stabilisieren, weitervermitteln – und da sein, wenn es gerade schwierig ist.

Ein Schwerpunkt lag 2025 auf dem Modellprojekt der Stadt Stuttgart „schools for future“, über das mehrere Workshops organisiert und umgesetzt werden konnten – etwa zur Gewaltprävention, zu queeren Basics und dem Projekttag „Verrückt? Na und!“ mit außerschulischen Partner*innen. Jedoch war auch die Zukunft dieses Projekts im vergangenen Jahr mehrfach Gegenstand von Gesprächen und Sorgen: Die Stadt Stuttgart hat Ende 2025 einen strikt restriktiven Doppelhaushalt für 2026/27 beschlossen, der erhebliche Einsparungen in vielen Bereichen vorsieht, um auf stark gesunkene Einnahmen und steigende Pflichtausgaben zu reagieren. Dabei stehen freiwillige Angebote – wie viele Projekte der Jugend- und Schulsozialarbeit – verstärkt auf dem Prüfstand, auch wenn im aktuellen Haushalt soziale und bildungsbezogene Aufgaben weiterhin eine wichtige Rolle spielen sollen. Die konkrete Weiterfinanzierung von Projekten wie „schools for future“ ist derzeit noch nicht eindeutig gesichert, während die politische und finanzielle Debatte anhält.

Für alle 7. Klassen fand im Rahmen des Modellprojekts in Kooperation mit der Sozialberatung Stuttgart e.V. ein Workshop zur Gewaltprävention mit dem Schwerpunkt sexualisierte Gewalt statt. Ziel war es, die Jugendlichen sensibel und lebensnah an das Thema heranzuführen: Was bedeutet Consent? Wo liegen persönliche Grenzen? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es – und wie kann ich mich sprach- und handlungsfähig zeigen, wenn Grenzen überschritten werden? Die Klassen arbeiteten engagiert mit, stellten Fragen und nahmen wichtige Impulse für ihren Alltag mit.

Ebenfalls für die 7. Klassen wurde das Angebot „Queere Basics“ der Regenbogen.Bildung.Stuttgart durchgeführt. Gemeinsam erarbeiteten die Schüler*innen grundlegendes Wissen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Durch Methoden zur Selbsterfahrung wurde deutlich: Verschiedenheit ist Normalität – und ein respektvoller Umgang miteinander die Basis eines guten Zusammenlebens.

Für die 9. Klassen stand der Projekttag „Verrückt? Na und! – Es ist normal verschieden zu sein“ in Kooperation mit der EVA auf dem Programm. Offen und niedrigschwellig wurde über psychische Gesundheit gesprochen, Vorurteile wurden hinterfragt und Mut gemacht, über eigene Belastungen ins Gespräch zu kommen. Passend dazu fand im April 2025 ein Elternabend zum Thema psychische Gesundheit für die gesamte Schulgemeinschaft statt, der sehr gut besucht war und zeigte, wie groß das Interesse und der Gesprächsbedarf auch auf Elternseite ist.

Ein echtes Highlight des Jahres waren die Projekttage im Juli: Gemeinsam mit einem Musikproduzenten, einer Lehrkraft und mir schrieben 13 Schüler*innen einen eigenen Song gegen Rassismus. In einem Tonstudio in Bad Cannstatt wurde der Titel „Nie wieder ist jetzt“ aufgenommen. Die Tage waren intensiv, kreativ und verbindend – und der Stolz der Jugendlichenspürbar. Beim Sommerfest des HöGy wurde der Song erstmals präsentiert und mit viel Applaus gefeiert. Seitdem ist er sogar auf Spotify zu hören.

Mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 startete am Hölderlin-Gymnasium die Entwicklung eines Schutzkonzepts. Um die Perspektiven der Schüler*innen einzubeziehen, wurden Umfragen durchgeführt – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Beteiligung und Sicherheit im Schulalltag.

Der Schuljahresstart brachte auch viele neue Begegnungen: Mit den 5. Klassen fanden Kennenlerntage im Haus 44 statt. Im Mittelpunkt standen das Ankommen an der neuen Schule, die Stärkung von Gemeinschaft, Fairness und Zusammenarbeit sowie Ich-Stärkung, Konfliktlösung und Vertrauensaufbau. Für die 8. Klassen, die neu zusammengesetzt wurden, gab es in Kooperation mit der EJUS zweitägige Teamtage im Haus 44. Mit erlebnispädagogischen Methoden – unter anderem an der Kletteranlage – konnten die Jugendlichen sich besser kennenlernen, Verantwortung übernehmen und ein gemeinsames Gruppengefühl entwickeln.

All diese Projekte und Gespräche zeigen: Schulsozialarbeit ist vielseitig, präventiv und beziehungsorientiert. Sie schafft Räume für Austausch, stärkt junge Menschen in ihrer Persönlichkeit und bringt wichtige gesellschaftliche Themen in den Schulalltag – oft leise im Hintergrund, manchmal sehr sichtbar, aber immer nah an den Lebenswelten der Schüler*innen.

Mit viel Dankbarkeit blicke ich auf das Jahr 2025 zurück – und freue mich sehr auf alles, was 2026 am Hölderlin-Gymnasium Stuttgart noch kommen wird. Ein Ort, an dem ich sehr gerne arbeite.

 

Artikel: Hauf
Fotos: Hauf

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