Fridas Auslandsjahr in den USA
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir in der 8. Klasse im Englischunterricht argumentiert haben, was die Vor- und Nachteile eines Auslandsjahres sind, und wie wir dazu einen Aufsatz schreiben mussten. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich in zwei Jahren ein Auslandsjahr machen würde, hätte ich es nicht geglaubt. Alleine in ein anderes Land? Das ist ganz schön beängstigend. Zu dem Zeitpunkt hat mein Bruder Ruben ein Auslandsjahr in Ohio, USA, gemacht und jeden Sonntag haben wir mit ihm telefoniert. Er hatte anfangs eine schwere Zeit, da seine Gastfamilie lediglich aus einem Mann bestand, der wenig Wert auf Sauberkeit, Kochen und Haushalt im Gesamten legte. Nach 6 Monaten konnte er dann aber zum Glück seine Gastfamilie wechseln und hatte eine unglaublich liebevolle Gastfamilie, die uns letzten Sommer sogar hier in Stuttgart in den Pfingstferien besucht hat!
Ob ihr es mir glaubt oder nicht: Hier bin ich jetzt schon seit mehr als 9 Monaten und es war die beste Entscheidung, ein Auslandsjahr zu machen. In diesem Artikel möchte ich euch von meinen Erfahrungen berichten, die ich bis jetzt schon hier in den USA gemacht habe, und ich möchte euch dazu animieren, selbst auch mal in das kalte Wasser zu springen – gerade wenn ihr Angst habt!
Alles begann für mich am 16. August 2025 mit meinem Flug in die USA. Das war nicht nur mein erster Flug alleine, sondern auch mein erster Flug überhaupt. Der Anmeldeprozess um ein Auslandsjahr zu machen, dauert ca. ein Jahr (also wenn ihr gerade in der 9. Klasse oder darunter seid, ist es noch nicht zu spät für euch!!). Es gibt viele verschiedene Organisationen, bei denen man sich online informieren kann. Wir haben uns für eine Organisation namens “Partnership International” entschieden, die mir von einer guten Freundin empfohlen wurde.
Angekommen am Flughafen in Portland habe ich dann das erste Mal meine Gastfamilie getroffen. Vom ersten Moment an habe ich mich total wohlgefühlt. Da ich schon in Deutschland in einer Großfamilie mit drei Geschwistern aufgewachsen bin, habe ich mich sehr gefreut auch hier in Amerika drei Gastgeschwister zu haben. So nervig und anstrengend wie drei kleine Kinder manchmal sein können, kann man sie doch nur lieben. Maddie: 4 Jahre alt, Pere: 7; und Maria: 10. Ein paar Fetzen Spanisch konnte ich auch lernen, da meine Gastfamilie ursprünglich aus Spanien kommt. Die ersten zwei Wochen, in denen ich hier war, war auch die ganze Familie aus Spanien zu Besuch, 17 Leute in einem Haus. Das war etwas überwältigend, doch alle waren super lieb!
So, jetzt habe ich aber genug von meiner Gastfamilie geredet und ihr fragt euch bestimmt: Ist die Highschool so wie man es sich vorstellt? So wie in den Filmen? Ist es einfacher? Gibt es den School Spirit wirklich? Ja, ja, ja und nochmal ja! Aber alles nacheinander.
Ja, ja, ja und nochmal ja! Aber alles nacheinander.
Eine Woche bevor die Schule angefangen hat, habe ich in der Pre-Season vom Fieldhockey bereits meine ersten Freundschaften geschlossen. Ich kann mich noch genau erinnern wie aufgeregt ich war, zu den Mädels zu laufen, da alle schon in einem Kreis saßen und ich habe mir gedacht: ,, Oh Gott, am besten drehe ich um und gehe wieder nach Hause”. Doch nein, ich bin nicht nach Hause gegangen sondern bin nach kurzem Überwinden meines inneren Schweinehundes schnurstracks auf meine zukünftigen Freunde zugelaufen. Die Angst war gar nicht nötig. Als sich alle fragend zu mir umgedreht haben, hab ich nur gesagt: “Hi, my name is Frida. I’m the German exchange student and I would like to play field hockey.” Mein Coach hat nur gesagt: “You can’t play field hockey in those sneakers.”, hat mir Stollen zugeworfen und so schnell wurde ich Mitglied eines wundervollen Teams. Alle waren total offen, neugierig und haben viele Fragen gestellt. Fieldhockey war ein anstrengender, aber so spaßiger Sport – auch wenn ich nicht immer in den Spielen gespielt habe, konnte ich so viel beim Training von meinen Coaches und von meinen Teamkameraden lernen.
Zur gleichen Zeit war auch die Football season und die friday night games waren ein Muss. Es gab jeden Freitag einen anderen dresscode wie “Neon night” oder “Pink out!” und auch wenn ich nicht viel von American Football an sich verstanden habe, haben wir uns immer eine schöne Zeit gemacht. Mit einer Hot-Dog-Bude und seinen Freunden lässt es sich schon aushalten ;).
Nach Fieldhockey habe ich Basketball gespielt und habe darin auch ein bisschen mehr verstanden, obwohl es unglaublich viele Regeln gibt. (Mein liebster Sport ist und bleibt aber natürlich mein all time favorite Handball beim MTV Stuttgart ;) Die Spiele von dem Jungs- Basketballteam anzuschauen, zusammenzusitzen und einfach eine gute Zeit zu haben, hat gut geholfen den langen Winter zu überbrücken.
Außerdem habe ich im Herbst das erste Mal in einem Musical mitgespielt und es hat so viel Spaß gemacht. Wir haben „Frozen – Die Eiskönigin“ aufgeführt und die Kombination aus Singen und Schauspielern hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es wurde nie langweilig und man wuchs nicht nur über seine eigenen Grenzen hinaus, sondern auch unglaublich stark mit den anderen Schauspielern zusammen.
Eines meiner Highlights hier in den USA waren Homecoming und Prom. Sich zusammen fertig zu machen, schöne Fotos zu schießen und auf die einzigen Tanzpartys des Jahres zu gehen- Na, bei dem Wort Party bin ich natürlich direkt dabei und das gehört natürlich auch dazu ;).
Zwei meiner anderen Highlights während meines Auslandsjahres waren die Reisen mit Belo nach Hawaii und New York City. Belo ist eine Organisation speziell für Austauschschüler, die es ermöglicht, mehr als nur den Staat, in dem man für 10 Monate wohnt, zu sehen. Im Februar sind also 50 Austauschschüler aus verschiedensten Staaten und verschiedenen Ländern aus der ganzen Welt, unter anderem ich, nach Hawaii geflogen. Wir alle kannten niemanden davor und haben uns vor Ort im Hotel das erste Mal kennengelernt und sofort Freundschaften geschlossen. Es war eine so sorgenfreie, prägende und wunderschöne Zeit in Hawaii, die ich niemals vergessen werde. Anfang April ging es für mich dann auch in die Stadt, die niemals schläft: New York City. Ganz anders als auf Hawaii, wo die Natur wunderschön ist, wir geschnorchelt, gewandert und surfen gegangen sind, gab es in New York so viel zu sehen und es wurde nie langweilig: Central Park, Empire State Building, Statue of Liberty, Times Square, 9/11 Memorial, Wall Street, American Museum of Natural History, Brooklyn Bridge, SoHo, Broadway Show und so vieles mehr – und das alles in drei Tagen. Puhhh es hat sich echt angefühlt wie ein Halbmarathon oder besser gesagt wie ein Ironman. Aber es war unglaublich interessant und faszinierend, eine Stadt mit so viel Leben und Möglichkeiten zu sehen!
Jetzt gerade spiele ich Tennis und es macht – mal wieder – riesig viel Spaß! Der Winter hier in Maine war kalt, lange und brachte viel Schnee mit sich. Anfangs fand ich es total schön – wir hatten hier sogar weiße Weihnachten – doch Schnee im April? Irgendwann reicht es dann auch. Der letzte Monat in Maine ist aber richtig schön hier und mit jedem Tag wird es wärmer und grüner draußen.
Doch mit jedem Tag, an dem es wärmer wird, kommt der Tag näher, an dem ich wieder zurück fliege. Am 21. Juni ist die Zeit hier vorbei. Ich werde nie wieder in eine Amerikanische Highschool gehen, ich werde nie wieder so nahe bei all meinen Freunden wohnen, die ich hier kennenlernen durfte, ich werde nie wieder ein Teil eines Varsity-Teams an einer Highschool sein und jeden Morgen die Pledge of Allegiance hören. Ich freue mich unglaublich darauf, meine Freunde und meine Familie wiederzusehen, aber gleichzeitig weiß ich, dass ich mein Leben, das ich hier innerhalb von 10 Monaten aufgebaut habe, sehr vermissen werde. Ich glaube ein Spruch, der das Auslandsjahr sehr gut beschreibt, ist dieser hier:
“It’s not a year in your life, it’s a life in a year”.
Ein Teil von mir wird immer hier bleiben und der kleine, so wenig versprechende Ort Boothbay Harbour ist jetzt gefüllt mit so vielen unglaublich schönen Erinnerungen und hat für immer einen ganz bestimmten Platz in meinem Herzen!
Abschließend kann ich nur sagen: Wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, ein Auslandsjahr zu machen, macht es! Selbst wenn ihr euch noch nicht 100 Prozent sicher seid, glaubt mir, ich war es auch nicht. Wenn ihr Angst habt, wenn ihr euch nicht bereit fühlt und auf den richtigen Moment wartet, er wird nicht kommen. Wie Abel Morales bereits im Film ”A most violent year” sagt:
“When it feels scary to jump,
that is exactly when you jump,
otherwise you end up staying in
the same place your whole life,
and that I can’t do.”
Ihr müsst es einfach machen und in das kalte Wasser springen, genau dann, wenn es beängstigend ist. Genau dann werdet ihr als Person wachsen und vielleicht sogar Dinge über euch selbst erfahren, die ihr davor noch gar nicht wusstet!
If you’re scared to do it, do it scared!
Vielen Dank, dass ihr meinen Bericht gelesen habt! So komisch es auch klingt, freue ich mich schon, euch im September wieder in der Schule zu sehen!
Liebe Grüße
Frida Kirchhauser <3
Artikel: Frida
Fotos: Frida